Online Seminar des KSB Steinfurt mit Dr. Joachim Bensel am 12.05.2021

Am 12.05.2021 fand ein Online-Seminar als Tagesveranstaltung im Qualifizierungsbereich „Kinder in Bewegung“ mit folgendem Thema statt.

„Kinder die uns herausfordern – wie gehen wir damit um?“

Der Referent war Dr. Joachim Bensel.

Zur Person: Dr. rer. nat. Dipl.-Biol. Joachim Bensel

Joachim Bensel ist Verhaltensbiologe, lehrt an der Ev. Hochschule Freiburg „Pädagogik der Kindheit, sowie an der Universität Salzburg „Early Childhood Education“ und führt Forschungsprojekte zur außerfamiliären Betreuung und Einschätzungen von Kindeswohlgefährdung in Kita und Hort durch. Er ist Mitinhaber der Forschungsgruppe Verhaltensbiologie des Menschen (FVM), Kandern.

Der Umgang mit herauforderndem Verhalten bei Kindern von 1 – 8 Jahren ist eine besondere Aufgabe für die pädagogischen Fachkräfte in Kita, Schule, Verein oder weiteren Bildungsinstitutionen. Dr. Bensel betonte, dass es eine regulative Entwicklungsaufgabe für das Kind ist und von den Bezugspersonen ressourcenorientiert (an den Stärken des Kindes ansetzend) begleitet werden sollten.

Warum sprechen wir nicht mehr von Verhaltensauffälligkeiten, sondern von herausforderndem Verhalten?

Beim Konzept der Verhaltensauffälligkeit wird die Ursache dem Kind eindeutig zugeschrieben. Beim Konzept des herausfordernden Verhaltens wird aber der gesamte Kontext in dem das Verhalten gezeigt wird in den Blick genommen. Dem Kind wird also nicht von vorneherein die Rolle des „problematischen Kind“ zugeschrieben, sondern, das Zusammenspiel aller Beteiligten: das Kind, der Erwachsene und die Rahmenbedingungen sollten untersucht werden.

Dr. Bensel wies darauf hin, dass herausfordernde Kinder oft vitale Kinder sind, auf der Suche nach mehr Möglichkeiten, mehr Erfahrung und auch mehr Resonanz. Diese Kinder hinterfragen insbesondere die Abläufe und Regeln der Erwachsenen. Es gibt aber auch die Kinder die nicht gesehen werden, die sich „unter dem Radar bewegen“. Diese unterschiedlichen herausfordernden Verhaltensweisen gilt es erkennen, zu verstehen und auch zu beantworten. Kinder mit herausforderndem Verhalten benötigen insgesamt mehr kompetenzorientierte Begleitung von Seiten der Bezugspersonen. Wichtige Fragen können hier sein:

• Was fehlt dem Kind?
• Was überfordert oder irritiert es?
• Hat es genug zu denken und zu tun?
• Erfährt es genug Schutz durch uns?
• Bieten wir ihm wirklich Regulationshilfen an?
• Verstärkt unser Verhalten seine „Sündenbockrolle“? Stigmatisierungsprozesse.

Die Aufgaben der Bezugspersonen sind:

• Stressregulation
• Mitregulation der sich entwickelnden Gefühlswelt
• Beziehungsaufbau/Beziehungsangebote/Verlässlichkeit/Transparenz im Handeln

Die insgesamt 60 Teilnehmer*innen konnten im Rahmen von digitalen Arbeitsgruppen und digitalen Umfragen (Mentimeter) ihre Erfahrungen aus der eigenen Praxis einbringen. Insbesondere die Verhaltensanalyse nahm in diesen Diskussionen großen Raum ein. Die „Auslöse-Situation“ von herausforderndem Verhalten, die Folgen und auch die „Kontextbedingungen“ wurden geschildert und analysiert. Dr. Bensel betonte, dass eine Verhaltensanalyse einer Spurensuche gleicht. Welche Gründe können wir für das gezeigte Verhalten eines Kindes benennen? Etwa Langeweile, fehlende Einbindung in das soziale Gefüge oder in Spielsituationen, fehlende Aufmerksamkeit oder fühlt sich ein Kind nicht angenommen? Ist eine aggressive Handlung eines Kindes etwa ein „missglückte Kontaktaufnahme“ oder vielleicht der Ausdruck von „innerer Spannung“?

Dr. Bensel führte aus, dass grundsätzlich drei Bereiche für herausforderndes Verhalten benannt werden können:

• Die Persönlichkeit eines Kindes
• Die Familiensituation eines Kindes
• Das soziale Umfeld eines Kindes (z.B. die Kitabedingungen)

Abschließend warb der Referent für das Verständnis, das ein Konflikt auch immer als eine Lernchance für das Kind zu verstehen ist. Die individuelle und feinfühlige Begleitung durch die Erwachsenen helfen dem Kind zunehmend eigene Handlungsstrategien zu entwickeln um beispielsweise Konflikte angemessen zu lösen und um die eigene Befindlichkeit zu verbessern.

In der abschließenden Austauschrunde wurde deutlich – Kinder in ihren Emotionen zu verstehen, sie zu begleiten und verlässlich zu unterstützen, ist ein Kernaufgabe, die Kinder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung maßgeblich begleitet.

Die digitale Evaluation ergab eine sehr positive Bewertung der Online Fortbildung. Die Teilnehmer*innen konnten demnach viel für ihre eigene Praxis mitnehmen und zeigten sich erfreut über das Format des Webinars, mit der Möglichkeit zur Beteiligung. Ein großes Dankeschön gebührt dem Referenten Dr. Bensel, der mit einer hohen Fachkompetenz und sehr präzisen Formulierungen und Statements, die Anwesenden durch das Thema führte.

Moderiert wurden dieses Webinar von Martina Rathmann (Referentin „Kinder in Bewegung). Die organisatorische und technische Unterstützung erfolgte durch Kristin Sandmann (Verwaltung KSB) und Paul Langenfeld (Referent KSB).

Martina Rathmann, 14.05.2021